Auf Atomkraft verzichten?

von Erik Boß (Kommentare: 2)

Foto: Umspannwerk Wuhlheide - (c)2011. Aufnahmestandort

Ob wir auf Atomkraft verzichten können, diese Frage stellt sich nach Fukushima mehr denn je. Ich denke: ja. Durch die Außerbetriebnahme von sieben Atomkraftwerken entstehen für die Stromversorgung aktuell keinerlei Probleme im Hinblick auf die Verfügbarkeit von Strom sowie den Strompreis. Dies liegt daran, dass es in anderen Kraftwerken noch viele ungenutzte Kapazitäten gibt.

Wie sieht es mit den anderen Atomkraftwerken aus? Perspektivisch ist es möglich, in naher Zukunft weitere Atomkraftwerke abzuschalten, auch hier ohne Auswirkungen auf den Preis und die Versorgungslage. Das Öko-Institut in Freiburg1 hat berechnet, dass durch die Fertigstellung im Bau befindlicher Kraftwerke sowie durch zusätzliche alternative Energien und Einsparungen die Kapazitäten der bisherigen deutschen Atomkraftwerke bis 2020 vollständig ersetzt werden können. Die Fakten sprechen also glasklar für einen vollständigen Ausstieg aus der Atomkraft.

Nun haben wir aber in den vergangenen Monaten sehen müssen, dass die aktuelle Bundesregierung diese Faktenlage ignoriert und statt dessen die Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke verlängert hat, den Ausstieg also nicht beschleunigt hat, was sie hätte tun können.

Durch die Reaktorkatastrophe in Japan ist jetzt Bewegung in die Sache gekommen. Sieben alte Atomkraftwerke wurden von der Bundesregierung abgeschaltet und vom Netz genommen. Wie ist diese Aktion politisch zu bewerten?

tl_files/berlin_shuts/fotos/blogs/2011/2011_02_strom.jpgIm Prinzip müssen wir der Bundesregierung danken, dass sie so schnell gehandelt hat und die ältesten Meiler sofort vom Netz genommen hat. Das habe ich dieser Regierung nicht zugetraut.

Grundsätzlich finde ich, dass man Menschen nicht nach dem beurteilen sollte, was sie sagen, sondern nach dem, was sie tun. Verbal war diese Regierung für die Laufzeitverlängerung, aber sie handelt anders und schaltet ab. Respekt dafür.

An anderer Stelle wieder kann ich keinen Respekt zollen: Für die Begründung, es gäbe nach Japan jetzt eine andere Einschätzung als vorher. Die Gefahren der Atomkraft wurden seit Jahren benannt. Dies führte ja schließlich zum beginnenden Ausstieg unter Rot/Grün. Frau Merkel hat in der Vergangenheit alle Warnungen ignoriert, erst jetzt, nach einem eingetretenen Unglück, erkennt auch sie die Gefahren und demzufolge Handlungsbedarf. Die Vorstellung, von Menschen regiert zu werden, die unfähig oder unwillig sind, perspektivisch zu denken, die nur reagieren statt agieren, finde ich besorgniserregend.

Vielen Dank für das Interesse an meinem Blog.
Erik Boß

1 Öko-Institut Freiburg: Schneller Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland. Kurzfristige Ersatzoptionen, Strom- und CO2-Preiseffekte. März 2011. Link dorthin.

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Kommentar von Rosa Nabozny | 06.06.2011

Es geht den Firmen immer nur um ihr Einkommen. Sie kümmern sich nicht um unsere Umwelt, Hauptsache sie bekommen ihr Geld. Nun sprechen die Konzerne davon, dass nicht genügend Strom produziert würde ohne die Kraftwerke, jedoch ist dies erneut nur eine Ausrede um den Atomausstieg zu bremsen. Auch die Regierung möchte den Energiekonzernen entgegenkommen, indem sie den Bossen die Erlaubnis erteilen, die Stromkontingente der sieben Atomkraftwerke, die sofort abgeschaltet werden sollen, auf aktuellere Atommeiler zu übertragen. Meiner Meinung nach ist dies alles Nonsens. Ich werde weiterhin gegen die Atomkraft vorgehen.

Kommentar von Erik Boß | 07.06.2011

Hallo Rosa Nabozny, danke für deinen Beitrag. Ich sehe das genauso.
In der aktuellen Ausstiegsdebatte ärgere ich mich am meisten über solche Leute wie den FDP-Lindner, die angeblich vernünftig abwägend das Gemeinwohl schützen wollen und dahinter doch nur sich selber und die eigenen Vorteile meinen.

 

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